Das neue Jahr steht vor der Tür. Zeit, sich Gedanken zu machen über die neuen Vorsätze und Wünsche. Haben Sie bereits ein „Window of Opportunity“ für 2025? Meine Aussicht auf 2025 soll möglichst positiv, inspirierend und motivierend sein. Also möglichst weit weg von der destruktiven Finsternis der Musk-Fanboys.

Zu den großen Themen unserer Zeit hat zuletzt eine Studie mein persönliches „Window of Opportunity“ weiter geöffnet, welche die Zivilgesellschaft zur Diskussion einlädt in der Hoffnung, die aktuelle Debatte über ein zukunftsfähiges, fortschrittsorientiertes und innovatives Deutschland weiter anzufachen.

Sie passt so gut in die Zeit aufgrund ihrer Forderung, politisches Kalkül dürfe nicht dazu führen, dass Innovationen hierzulande scheitern. Denn: „Die Innovationskraft ist die Grundlage unseres Wohlstands.“ Und als deren Gegner werden Änderungsmüdigkeit, Verlustängste und mangelnder Veränderungsdruck sowie eine institutionelle und gesellschaftliche Verzagtheit, Bräsigkeit und Risikoaversion festgemacht.

Die Studie stammt aus Bayern und entstand unter der Schirrmherrschaft des Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie: Die Zukunftsstudie IX des MÜNCHNER KREIS e. V.: DAS DEEP TECH MANIFEST: WECKRUF FÜR EINEN SCHLUMMERNDEN RIESEN – 2024. Durchaus weist sie über den Bereich Deep Tech hinaus.

Wohltuend verfällt die Studie nicht in billiges Staats-Bashing, sondern weist dem Staat als Fürsprecher, Kapitalgeber, Wegbereiter, Unterstützer, „ermöglichender“ Gesetzgeber, früher Nachfrager und Vorreiter eine zentrale Rolle zu. Schön ist auch die ökologische Bildsprache:

Um hingegen Deep Tech Innovation erfolgreich über den langen und unsicheren Entwicklungsprozess bis zur Marktreife zu entwickeln, müssen sich alle Innovationsakteure bestehend aus Unternehmen, Wissenschaft, Investoren und öffentlicher Hand als langfristig denkende „Gärtner“ ihres Ökosystems begreifen, die eng zusammenarbeiten, um die seltenen Deep Tech Samen zum Nutzen des gesamten Ökosystems zur Blüte zu bringen.

Rechtlich gewendet brauchen hohe Investitionen und lange Entwicklungsprozesse stabile und verlässliche Rahmenbedingungen, brauchen Innovationsakteure Klarheit und Planungssicherheit sowie innovationsfördernde Standards und Verträge.

Wohltuend verfällt die Studie auch nicht in eine unwürdige Unterwürfigkeit gegenüber Musk & Co., sondern plädiert für eine technologische Souveränität, fordert ein europäisches Denken und eine Mentalität, die selbstbewusst auf das Erreichen weltweiter Spitzenpositionen gerichtet ist. Dafür wiederum braucht es begeisterte Spitzentalente aus dem In- und Ausland.

Begrüßenswert gerade auch hierzulande ist die Feststellung der Studie, dass Innovationen nur entstehen werden, wenn sich alle Innovationsakteure dem weit verbreiteten Technikskeptizismus und der zunehmenden Wissenschaftsfeindlichkeit in der Gesellschaft entgegenstellen. Und die Studie bekennt sich dankenswert klar zum Nachhaltigkeitsansatz. Ohne bahnbrechende Innovationen sei eine Rückkehr in den sicheren Handlungsbereich für die Menschheit unmöglich, wobei mit Deep Tech wesentliche gesellschaftliche und ökologische Herausforderungen adressiert werden könnten.

Wir brauchen bahnbrechende Innovationen, die nachhaltige Lösungen in Bereichen wie Energieversorgung, Materialien, Produktionsmethoden, Mobilität, Landwirtschaft
oder Gesundheit hervorbringen.

Auf Unternehmensseite sollte das Potenzial von Deep Tech im Kontext einer ganzheitlichen Nachhaltigkeitsbetrachtung (ökologisch, ökonomisch, sozial) stärker in strategische Zielsetzungen integriert und priorisiert werden.

MÜNCHNER KREIS e. V., Zukunftsstudie IX, DAS DEEP TECH MANIFEST: WECKRUF FÜR EINEN SCHLUMMERNDEN RIESEN – 2024

Die Studie öffnet ein „Window of Opportunity“. In welchews ich gerne für 2025 schaue. Es bietet eine vergleichbare Perspektive wie der Wake-Up Call von BCG / IW / BDI (Transformationspfade für das Industrieland Deutschland, Eckpunkte für eine neue industriepolitische Agenda, 09/2024) und diese kann nur bedeuten: Deutschland muss „sich in die Zukunft investieren!“ – und nicht in die Vergangenheit palavern.

© Copyright by Dr. Elmar Bickert