Mitten in der Berliner Hitze durfte ich mich kürzlich mit Wärme beschäftigen, konkret mit der Wärmeplanung für die sog. Wärmewende in Deutschland.

Ich hörte in der Bundesfachkommission Bau, Immobilien, Smart Cities des Wirtschaftsrates unter anderem von enormen Kosten und seitens der dena vom Umsetzungsstand, von offenen Fragen, bestehenden Hemmnissen und von Zielkonflikten, vor allem auch bezogen auf die Wohnungswirtschaft.

Wir hörten aber auch von Erfolgsmodellen bei den Wärmenetzen und vom Dänischen Weg zur Dekarbonisierung des Wärmesektors, wo die Fernwärme das Herzstück eines integrierten, grünen Energiesystems geworden ist. Eine aktive Politik und ein starker Regulierungsrahmen sowie engagierte Kommunen bewirkten in Dänemark eine Versorgung von 2/3 der Haushalte mit Fernwärme und einen hohen Anteil an Erneuerbaren (75%). Lessons Learned, schloß Christian Bjerrum Jørgensen (Botschaftsrat für Energie – Energy Attaché Royal Danish Embassy in Berlin) seinen eindrucksvollen Vortrag:

  • Versorgungssicherheit
  • Resilienz
  • Dekarbonisierung
  • Transparenz
  • Investitionssicherheit
  • Akzeptanz der Wärmewende

Das sind Erfolgsfaktoren, die auch hierzulande von großer Bedeutung sind, auch wenn natürlich die Ausgangslagen und Umstände in beiden Ländern unterschiedlich sind. Dänemark hat das richtige Timing gehabt, sich frühzeitig gegen die Abhängigkeit von einzelnen Energiequellen und Exportländern entschieden und dann konsequent das Wärmenetz umgebaut. Mich hat das vor allem auch technisch und gesellschaftlich beeindruckt. Das Timing hierzulande ist herausfordernder. Das zeigte auch die dena auf.

Aus meiner rechtlichen Sicht musste ich innerlich die Brücke schlagen zur ANGA COM, wo ich zum Breitband- und Glasfaserausbau auf dem Podium saß. Dort war der Nutzungskonflikt ein großes Thema, vor allem der Nutzungskonflikt unter der Erde: Im begrenzt verfügbaren und nur bedingt transparenten Grund und Boden konkurrieren Bestandsleitungen mit neuen Leitungen, einerseits für die Wärmenetze und andererseits aber auch für den Breitbandkabelausbau. Beides soll vorangetrieben werden und die Leitungen für die E-Mobilität (und für Wasserstoff) wollen auch nicht zu kurz kommen.

Zum Timing gehört mithin die Erkenntnis, dass gleich mehrere Ausbauziele konkurrieren. Diese Konkurrenz setzt sich über der Erde fort. Denn nicht nur die Gemeinden und Behörden haben nur begrenzte Kapazitäten, finanzieller und vor allem auch personeller Art (einschließlich Genehmigungen, Vergaben und eigene Projektierungen). Auch um die (Tief-) Bauunternehmen, Planer und Projektsteuerer und deren Kapazitäten am Markt ensteht eine Konkurrenzsituation, die sich als enormes Hindernis für gleich mehrere Ausbauziele erweisen kann. Zu den vorgenannten Erfolgsfaktoren, die auch für die anderen Ausbauziele relevant sind, möchte ich persönlich mit Blick auf Deutschland daher vor allem Innovation, Kooperation und Rechtssicherheit ergänzen.



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