In den USA ist die Klimakrise längst und schon unter Trump zum Fall der nationalen Sicherheit geworden. Im aktuellen Department of Defense 2024 2027 Climate Adaptation Plan vom 5. September 2024 heißt es etwa: „To train, fight, and win in an increasingly complex threat environment, we must consider the effects of extreme weather and climate change at every level of the enterprise.“
Sind weitreichende politische, ökonomische und soziale Auswirkungen der Klimakrise sogar für die nationale Sicherheit und Verteidigung der USA bedeutsam, sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass auch Investoren, Stakeholder, Anleger und Banken Klimarisiken beachten. Klimarisiken und Klimachancen beeinflussen den Wert und die lanfristige Entwicklung von Investitionen. Investoren und Vermögensverwalter müssen dies schon wegen ihrer treuhänderischen Pflicht gegenüber den Anlegern berücksichtigen.

Wie sagte es Larry Fink (Chief Executive of BlackRock) so schön:
We focus on sustainability not because we’re environmentalists, but because we are capitalists and fiduciaries to our clients.
Er sagte das allerdings aus unschönen Gründen. Er sagte dies als Reaktion auf Angriffe von ESG-Gegnern, die in den USA den Kulturkampf in die Finanzwelt getragen hatten, die Wall Street für ihre Klimaschutz-Initiativen bestrafen wollten und sie als „woke capitalism“ verspotteten. Diverse GOP-Politiker hatten Untersuchungen gegen die größten US-Banken eingeleitet, weil sie einer Koalition der Vereinten Nationen beigetreten sind, deren Mitglieder sich verpflichten, ihre Finanzierung und Investitionen an Netto-Null-Emissionszielen auszurichten. Einige republikanisch regierte Bundesstaaten hatten bundesstaatliche Gelder von BlackRock Inc. abgezogen, dem weltweit größten Vermögensverwalter und größten ESG-Verfechter der Wall Street. Mit den Midterms sollte die Rote Welle der GOP auch gleich den ESG-Ansatz wegspülen. Doch die rote Welle blieb aus (siehe auch: ESG at risk? Unternehmerisches Engagement zwischen Backlash und Boost).
Nun aber, mit der Wiederwahl von Trump und der Mehrheit der US-Republikaner im Kongress und im Senat ist die rote Welle da. Und sie wirkt, bereits wenige Wochen vor dem Amtsantritt des republikanischen Dreiergespanns in Washington, bei dem Initiativen zum Umweltschutz und zur nachhaltigen Unternehmensführung wahrscheinlich im Fadenkreuz stehen werden. Morgan Stanley gab am Donnerstag seinen Austritt aus der Net-Zero Banking Alliance bekannt, die sich zum Ziel gesetzt hat, durch Kreditvergabe und Investitionen Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Morgan Stanley ist nach den früheren Austritten von Citigroup, Bank of America, Goldman Sachs und Wells Fargo die jüngste in einer Reihe von Großbanken, die sich aus dem Abkommen zurückgezogen haben. Im Nachgang hat nun BlackRock das Klimabündnis „Net Zero Asset Managers Initiative“ (NZAMI) verlassen.
Im Sommer 2024 schon beschuldigten die Republikaner im Justizausschuss des Repräsentantenhauses große Investmentfirmen der „geheimen Absprachen“ mit Klimaaktivistengruppen. Und vor einigen Wochen führte der texanische Generalstaatsanwalt Ken Paxton (R) an der Spitze von 11 Generalstaatsanwälten aus GOP-Staaten eine Klage gegen die Vermögensverwalter BlackRock, Vanguard und State Street an, in der sie beschuldigt wurden, durch ihre Beteiligungen an der Industrie „den Kohlemarkt künstlich zu verengen“.
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