Die ANGA COM, Europas führende Kongressmesse für Breitband und Medien, fand vom 14. bis zum 16. Mai 2024 in Köln statt. Sie schloss mit einem neuen Besucherrekord. Es ging u.a. um die Themen Breitband- und Glasfaserausbau, Smart Home, Smart City, Artificial Intelligence, Sustainability und Energieeffizienz, Energiewende, Wohnungswirtschaft und Umlagefähigkeit sowie um Tiefbau.

Ich durfte am 16. Mai 2024 auf dem Panel „Tiefbau in Kommunen: Erfahrungswerte, Einsparpotenziale und Beschleunigungsoptionen“ sprechen und diskutieren.

Als ich vor einigen Monaten beim Immobilienforum des Wirtschaftsrats in Berlin ein Panel zum Wohnungsbau moderierte, stand die Forderung nach „Handwerk statt Regelwerk“ im Raum. Auf der ANGA COM in Köln durfte ich nun an dem aconium GmbH Panel zum Breitbandausbau und damit zu einem Bereich teilnehmen, in dem Regulierung als wichtiger Aspekt für den Ausbauerfolg verstanden wird.

Rechtssicherheit als Beschleunigungsfaktor. Das überzeugt, gerade auch für den Glasfaser-/Breitbandausbau. Die rechtlichen Baustellen sind zahlreich. Mit Open Access, Leitungsauskünften, Genehmigungsverfahren, Dokumentationsanforderungen, Vermeidung von Bau- und Leitungsschäden, Trassenkonflikten und alternativen Legemethoden sind nur einige angesprochen.

Großartig moderiert von Kai Pigorsch standen aber tatsächliche Baustellen im Mittelpunkt des Panels und es war spannend, von den praktischen Erfahrungen der weiteren Panelisten Simone Roth, Klaus Schedlbauer und Alexander Baulig zu hören.

Während sich der Jurist fragte, ob mit der neuen DIN 18220 zu alternativen Legemethoden von Glasfaserkabeln für Telekommunikationsnetze die mindertiefe Legung i.V.m. dem TKG nun wirklich die regeltiefe Legung geworden ist, äußerten die Praktiker aus den Kommunen deutliche Zweifel, ob eine mindertiefe Legung tatsächlich so nachhaltig ist, wie es die „Trenching-DIN“ gerne regeln möchte.

Wir sprachen über Tiefbau in Kommunen im Zusammenhang mit dem Breitbandausbau (Erfahrungswerte, Einsparpotenziale und Beschleunigungsoptionen) und damit auch über geologische Ungewissheiten unter der Erde (Baugrundrisiko), über bodenmechanische Ungewissheiten beim Arbeiten mit der Erde (Systemrisiko) und über ein besonderes Schadensrisiko: Kabel- und Leitungsschäden gehören zu den häufigsten Schadensarten im Tiefbau mit unverhältnismäßig großen Gefahren und Schadensfolgen.

Das sind Risiken, welche die Projektfaktoren Qualität, Zeit und Kosten nachhaltig beeinträchtigen können und die durch den Vorhabenträger mit seinen Planern und Ausführungsunternehmen geregelt werden müssen, bei TK-Projekten ergänzt um besondere Abstimmungserfordernisse mit den TK-Netzbetreibern, Straßenbaulastträgern und Inhabern von Bestandsleitungen. Auch hier war es spannend, von den unterschiedlichen Vergabekonzepten, Vertragsmodellen und Erfolgsfaktoren der Praktiker auf dem Podium zu hören. Ein wertvoller Austausch.

Kooperation mit erfahrenen und qualifizierten Unternehmen, das ist ein Schlüsselfaktor, wobei das Kooperationserfordernis beim Leitungsausbau wegen der vielfältig zu berücksichtigenden Interessen und einzubeziehenden Interessenträgern über den Einzelvertrag hinausgeht. Geeignete Verträge sind dabei eine unabdingbare Grundlage jeder erfolgreichen Kooperation im Tief- und Leitungsbau. Handwerk statt Regelwerk? Nein. Guter Tiefbau braucht geeignetes Vertragswerk, erfolgreicher Glasfaserausbau nochmals mehr.

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