Der Regierende Bürgermeister von Berlin war diese Woche auf USA-Reise und bekräftigte angesichts beeindruckender Skylines, dass auch Berlin durchaus mehr in die Höhe bauen könne. Wichtiger Impuls. Schon zuvor hatten JLL Germany und das Urban Land Institute (ULI) in die Macherei nach Berlin zur Veranstaltung „Changing Thoughts – Impulse für Berlin“ geladen. Meine persönlichen 5 Takeaways:

1. Location

Mit der Macherei in Berlin war der Ort der Veranstaltung perfekt gewählt. Noch im Bau befindlich, aber schon jetzt erkennbar eine beeindruckende Kombination von Nachhaltigkeit, Quartiersansatz, Bestandsanierung/Neubau und Mixed-Use. Art-Invest Real Estate hat hier das gemacht, was auch andere Premiumanbieter machen: Noch unter grundlegend anderen (Büromarkt-) Annahmen projektiert, aber mit Nachhaltigkeit voll auf Zukunft gesetzt. Versteht man „Sustainability“ als „the ability to be long-lasting and permanent“, so wird sich das als zukunftssicher erweisen – „both in the short and long term„, wie auch PwC/ULI im aktuellen Report Emerging Trends in Real Estate Europe 2025 herausgearbeitet haben. Oder um den anderen Veranstalter zu zitieren:

Klar ist allerdings: Die Marktgängigkeit und Attraktivität von Objekten hängen immer mehr von der Einhaltung von ESG-Kriterien ab.

JLL Germany, ESG –Expertise, Steuerung und Gesetze als zentrale Herausforderungen für Investoren, September 2024

2. Berlin

Wie aber schafft Berlin seine Zukunftsfähigkeit? Die Geschichte vom unfertigen Berlin ist lange überholt, zu gut waren die letzten Jahre, zu groß war das Baugeschehen. Und zu stark stellt sich die Frage nach einer neuen Message, möchte man im nationalen und internationalen Wettbewerb langfristig eine boomende Metropole bleiben.

Wir erfuhren, dass Berlin sich bei der wirtschaftlichen Entwicklung positiv vom Bundestrend abgekoppelt hat, fortgesetzt eine hohe Attraktivität nach außen aufweist und mit dem großen Zuzug einen enormen Brain Gain für seine wissensbasierte Ökonomie erlebt. Ein Innovationsstandort für Zukunftstechnologien entlang der (ökologischen, digitalen und industriellen) Transformationslinien mit Zukunftsstandorten v.a. für eine intensive Kooperation von Wirtschaft und Wissenschaft, so auch die Vorstellung des aktuellen StEP Wirtschaft 2040 i.V.m. dem Masterplan Industriestadt Berlin.

Und so führt für die Bereiche Chemie und Pharma etwa die aktuelle Studie zum Industriestandort Deutschland von BCG/VCI eine Berliner ÖPP als Beispiel für ein effizientes Innovationssystem mit der Überführung von Innovationen aus der Forschung in die Wirtschaft an, mit welchem neue Technologien große globale Wachstumschancen schaffen und die Grundlage für eine nachhaltige Transformation bilden sollen.

Für den Real Estate-Bereich bleibt Berlin nach dem aktuellen PwC/ULI-Report Emerging Trends in Real Estate Europe 2025 die Top-Stadt in Deutschland und reiht sich im europaweiten City-Ranking auf Platz vier nach London, Madrid und Paris ein.

3. Herausforderungen

Gerade auch in Berlin ist die Knappheit von Wohnraum nicht nur ein soziales Problem, sondern auch ein wirtschaftliches, da sie den Zuzug von Arbeitskräften in besonders produktive Regionen hemmt. Nach dem StEP Wohnen 2040 braucht Berlin bis 2040 222.000 neue Wohnungen und darüber hinaus eine Flächenvor-
sorge für weitere 50.000 Wohnungen. Neben Wohnraum braucht es aber auch Energie und Daten sowie deren Infrastruktur, vor allem auch für die Wirtschaft. Das dürften mit die größten Herausforderungen der Stadt auf ihrem Wachstumspfad sein – neben besseren Fluganbindungen. Zugleich muss Klimaschutz, Klimaanpassung, Energie- und Mobilitätswende mitgedacht werden. Klimaneutralität ab 2045 trotz dieser Herausforderungen und trotz der andauernden Produktivitätssteigerung allein schon durch den fortwährenden Zuzug, geht das? Oder bedarf es eines neuen Fokus, weg von der alleinigen CO₂-Vermeidung hin zur nachhaltigen Wertschöpfung?

4. Fast Lane

Um all die Herausforderungen zu meistern und um sich als zukunftssichere Metropole zu definieren und zu verwirklichen, um den schnellen Transformationsprozessen gerecht zu werden, bedürfte es einer Fast Lane für die Stadt und deren Weiterentwicklung. Mit der Internationalen Bauausstellung im Metropolraum Berlin ab 2034 könnte ein solches Instrument gefunden werden, wie ich lernen durfte. Ein Ausnahmezustand auf Zeit im Interesse der Zukunft der Stadt mit einem breiten Experimentierfeld und einem großzügigen Innovationsraum für neue und nachhaltige Projekte und Konzepte, welche nicht nur mit geeigneten Gebäude- und Quartiersplanungen, Bauforschungstools, Förderprogrammen, Beteiligungsformaten und Projektmanagementstrukturen, sondern auch mit einer Anpassung und Vereinfachung der baulichen Normen und Standards sowie mit effizienteren Behördenverfahren auf die Überholspur gesetzt werden.

5. Macher

Abschließend nochmals zur Location. Die Macherei soll namensgebend Menschen ein Quartier geben, die etwas machen, bewegen und beitragen wollen. Und solche Menschen trafen sich bei der JLL/ULI-Veranstaltung. Wer über die Zukunft einer Stadt nachdenkt, muss aber auch bedenken, dass es Menschen gibt, die das nicht wollen. Zweifelsohne gibt es in einer wachsenden Stadt Wachstumsschmerzen und Verdrängungsprozesse und an einigen Stellen muss man sich entscheiden zwischen Exzellanz und der Frage, für wen was bezahlbar ist und sein soll. Allein in meinen aktuellen Projekten vom Wohnungsneubau bis zur Ansiedlung von Data Centers aber erlebt man, dass es auch Menschen in dieser Stadt gibt, die schlicht den Fortschritt in der Stadt stoppen, wenn nicht gar zurückdrehen wollen und die sich einem Blick über ihren Gartenzaun hinaus verweigern. Kämpfen wir dafür, dass sich die Macher durchsetzen.

© Copyright by Dr. Elmar Bickert