Wie also geht es weiter?

Elon Musk?

Hilft ein Blick auf Elon Musk, der offenbar zumindest die Meinung von President-elect Trump über Elektroautos beeinflusst hat (“I’m for electric cars, I have to be because Elon endorsed me very strongly”; und Tesla stellt bekanntlich auch Batterien und Solarpanels her)? Ungewiss. Oder was ist von dem Interesse an Seltenen Erden in Grönland zu halten?

Öl- und Gasindustrie?

Eher führt ein Blick auf die fossile Brennstoffindustrie weiter. Denn während die ESG-Gegner meinen, diese würde diskriminiert, erzielten die US-Fossilbranchen unter US-Präsident Biden in Wirklichkeit Rekordgewinne und erreichte die heimische Öl- und Gasproduktion Rekordhöhen. Und die Trump-Devise »Drill, baby, drill« zeigt, das sich daran nichts ändern wird.

Weiterführend ist tatsächlich eine Stimme aus der fossilen Brennstoffindustrie selbst. Exxon Mobil Chair and CEO Darren Woods bezog kürzlich Stellung wegen einer etwaigen Aushöhlung Bidens Klimaprogramm durch die Trump-Administration und deutete an, dass einer der mächtigsten Akteure in der Energiewirtschaft als mäßigender Einfluss in Washington dienen könnte, selbst wenn die Republikaner versuchen, die Klimapolitik der Biden-Ära zu demontieren. Er wird zitiert:

I don’t think the challenge or the need to address global emissions is going to go away.
Anything that happens in the short term would just make the longer term that much more challenging.

Er warnte davor, dass die amerikanischen Industrien, die es versäumen, während Trumps zweiter Amtszeit etwas für die Umwelt zu tun, Gefahr laufen, das Problem zu verschlimmern. Alle seien dafür verantwortlich, herauszufinden, wie man angesichts der jeweiligen Fähigkeiten und Möglichkeiten einen Beitrag leisten könnte.

Und wenn Trump’s neuer „Energy Czar“ Doug Burgum meint, „this has nothing to do with climate change, this has to do with markets,” ändert das nichts daran, dass er seinen Bundesstaat bis 2030 klimaneutral machen möchte.

Aktuelle Reports

Und damit kann man anschließen an das, was der aktuelle WEF (World Economic Forum) Annual Report The Cost of Inaction: A CEO Guide to Navigating Climate Risk (December 2024) empfiehlt:

Climate risks and opportunities should be a critical component of company strategy, guiding risk management, financial, strategic and operational decisions at all levels. Understanding climate risks is key for maintaining business resilience, unlocking opportunities and ensuring a competitive edge.

Das wiederum lässt sich aus militärischer Sicht spiegeln im 2024 2027 Climate Adaptation Plan des US-Verteidigungsministeriums:

Preparedness and adaptation require the incorporation of climate considerations into strategic, operational, and tactical decision-making. To be effective globally, these efforts need to be done in collaboration with allies and partners.

Und in dem aktuellen WEF Insight Report Business on the Edge: Building Industry Resilience to Climate Hazards (December 2024) werden die Konsequenzen einer Nichtberücksichtigung von Klimarisiken herausgearbeitet:

Associated impacts could include lower company valuations, disruption to the financial systems we rely on for trade and investment and ultimately, reduced global social and economic prosperity.

In der EU wiederum hat die European Securities and Markets Authority (ESMA TRV Risk Analysis, Assessing portfolio exposures to climate physical risk, October 2024) kürzlich herausgestellt:

Understanding the physical impacts of climate change (i.e. climate physical risks) is important for fund managers to identify and manage in advance the potential risks stemming from climate change, and for financial sector authorities to monitor climate-related risks to entities and products within their supervisory remit.

Für den Real Estate-Bereich hatte zuletzt der Allianz Global Wealth Report 2024 zudem auf den „invisible value destroyer“ hingewiesen: Transition Risk.

Although natural catastrophes are much more visible, the long-term impact of climate change on housing prices comes mainly through transition risk i.e. the energy consumption of buildings, particularly for heating.

Für den deutschen Immobilienmarkt etwa stellte die GEFMA in ihrem White Paper GEFMA 984-2 (Die znetrale Bedeutung von ESG aus Sicht des Facility Managements 2024+) kürlich heraus:

Um wettbewerbsfähig zu bleiben und Risiken zu minimieren, müssen betroffene Unternehmen ihre strategische Ausrichtung in Richtung Nachhaltigkeit führen und ESG-Kriterien in bestehende Entscheidungs- sowie Investitionsprozesse einbinden.

HINWEISE:
Damit Nachhaltigkeitsinformationen Anlageentscheidungen, Risikomanagementprozesse und Eigentümeraktivitäten in einem diversifizierten Portfolio unterstützen können, müssen sie unternehmensübergreifend und im Zeitverlauf konsistent und vergleichbar sein, stellte zutreffend das International Sustainability Standards Board (ISSB) der IFRS Foundation fest und veröffentlichte nicht nur einen Voluntarily Applying ISSB Standards Guide, sondern auch zusammen mit der EFRAG ESRS—ISSB Standards Interoperability Guidance sowie Interoperability considerations for GHG emissions when applying GRI Standards and ISSB Standard.

Zugleich wird für 2025 erwartet, dass die Wissenschaft bei den Klimamodellen große Fortschritte macht und Ende des Jahres die ersten Daten der neuen Generation von internationalen Klimamodellen (CMIP7) verfügbar sind (The Economist, Supercomputers and AI are helping build better climate models – The coming year will be a big one for the advance of climate science).

Woke Capitalism & Woke Army?

Die ESG-Gegner in den USA haben gezeigt, dass sie im Interesse ihres Kulturkampfes mit alten Grundsätzen und Werten brechen. Galt die US-Wirtschaft und Wall Street für die US-Republikaner früher als nicht angreifbar, greift man nun die Wirtschaft aus politischen Gründen frontal an: Kann man Nachhaltigkeit nicht mehr als wirtschaftsfeindlich verunglimpfen, weil die Wirtschaft sich selbst zum Nachhaltigkeitsansatz bekennt, nimmt man eben die Wirtschaft selbst ins Fadenkreuz.

Die American Bankers Association dagegen etwa verwies schon auf die Marktfreiheit der Banken und nicht wenige Vertreter der Wall Street verwiesen darauf, dass die Marktteilnehmer nicht aus politischen Gründen, sondern aus wirtschaftlichen Geschäftsgründen das Klima als wachsendes Risiko identifiziert haben. Der weitere Fortgang bleibt spannend.

Und spannend bleibt auch, ob die US-Republikaner das weitere „Heiligtum“ angreifen: Das US-Militär, dessen Climate Adaption Plan es – wenn auch im Militärischen – so anschaulich zum Ausdruck bringt, um was es geht oder gehen sollte. Aber nach „woke capitalism“ ist auch der nächste Kampfbegriff der Kulturkämpfer von Rechtsaußen schon gesetzt: „woke army“.

Department of Defense, Office of the Undersecretary of Defense (Acquisition and Sustainment). 2024. Department of
Defense 2024 2027 Climate Adaptation Plan. Report Submitted to National Climate Task Force and Federal Chief
Sustainability Officer. 5 September 2024.

Man muss sich aber auch vergegenwärtigen, dass Anti-ESG-Hardliner DeSantis im US-Präsidentschafts-Vorwahlkampf der Republikaner und auch gegen Disney vor dem United States District Court for the Northern District of Florida untergegangen war, weil er Grundlegendes verkannt hatte: „Many voters on the right, in line with the traditional conservative ideology, don’t want government meddling in business,“ so das US-Magazin Politico. Und wie schrieb BlackRock süffisant in seinem Gegenangriff an GOP Attorneys General of the States?

Republican districts are well ahead of their Democratic counterparts in advancing clean-energy projects and deploying clean-energy technology.

Und tatsächlich werden gerade im republikanisch geprägten Süden der USA Mittel aus dem IRA abgerufen und investiert. Wer auf politischer Bühne gegen „Green“ oder ESG in den Kulturkampf zieht, investiert zuhause tatsächlich durchaus in grüne Zukunftstechnologien und wappnet sich gegen die Folgen des Klimawandels. Ein DeSantis negiert öffentlich den menschengemachten Klimawandel, investiert aber natürlich trotzdem in den Schutz der Küste von Florida.

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