Die wohl wichtigste Studie für Investitionen in Deutschland wurde nicht auf der Expo Real in München vorgestellt, sondern schon zuvor in Berlin und Ludwigsburg.

Sie wurde von der Wüstenrot Stiftung und dem Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung herausgegeben und lautet: „Die demografische Lage der Nation – Wie zukunftsfähig Deutschlands Regionen sind.“

Sie zeigt, dass die Fähigkeit, Zugewanderten die Teilhabe am Arbeitsmarkt zu guten Bedingungen zu ermöglichen, ein echter Standortvorteil ist.

Wirtschaftlich erfolgreiche Regionen zeichnen sich besonders dadurch aus, vorhandene Arbeitskräftepotenziale gut auszuschöpfen. Menschen ohne deutschen Pass weisen in den wirtschaftlichen Spitzenregionen deutlich höhere Beschäftigungsquoten auf als anderswo.

Wüstenrot Stiftung / Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung (Hrsg.), „Die demografische Lage der Nation – Wie zukunftsfähig Deutschlands Regionen sind“, Oktober 2026, S. 12

Umgekehrt zeigt Sachsen-Anhalt – ohnehin mit der schlechtesten Demografienote und geringsten Lebenserwartung und einer massiven Schrumpfung – wie man sich über die Wahl der Rechtsexstremisten endgültig selbst abschafft.

Die Politik wird den Bevölkerungsrückgang in vielen peripheren Regionen nicht aufhalten können. Erfahrungen mit dem Strukturwandel zeigen zudem, dass sich grundlegende Entwicklungen selbst mit erheblichem finanziellem Aufwand nicht stoppen lassen.

Wüstenrot Stiftung / Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung (Hrsg.), „Die demografische Lage der Nation – Wie zukunftsfähig Deutschlands Regionen sind“, Oktober 2026, S. 5
Relief map of Germany labeled with its 16 federal states
Jetpack AI

Mit 26 Indikatoren aus den Bereichen Demografie, Wirtschaft, Bildung und soziale Bedingungen zeigt die Studie, wie die Regionen heute aufgestellt sind. Alle 400 Kreise und kreisfreien Städte Deutschlands werden untersucht. Ergänzt wird die Analyse durch eine Bevölkerungsprognose bis zum Jahr 2045. Analog zur Berechnung für alle Kreise und kreisfreien Städte hat das Berlin-Institut auch einen Index für die Bundesländer berechnet.

Rang 2026Bundesland Veränderung Rang ggü. 2019 Gesamtote
1.Hamburg+12,74
2.Bayern+12,80
3.Baden-Württemberg-22,94
4.Hessen03,13
5.Brandenburg+53,21
6.Rheinland-Pfalz+33,29
7.Berlin-23,38
8.Niedersachsen-23,46
9.Schleswig-Holstein+33,66
10.Nordrhein-Westfalen+13,67
11.Sachsen-33,73
12.Mecklenburg-Vorpommern+23,82
13.Thüringen-63,86
14.Bremen-14,06
15.Sachsen-Anhalt+14,17
16.Saarland-14,17
Index BundesländerWüstenrot Stiftung / Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung (Hrsg.)„Die demografische Lage der Nation – Wie zukunftsfähig Deutschlands Regionen sind.“ Oktober 2026
S. 13

Prognostiziert wird bis 2045 ein Rückgang der Bevölkerung in Deutschland auf rund 81,8 Millionen Menschen – 1,7 Millionen weniger als Ende 2025. 42 der 50 Regionen mit den stärksten prognostizierten Bevölkerungsverlusten liegen im Osten Deutschlands. 63 der 95 Kreise mit einer Demografienote von 4 oder schlechter liegen im Osten, 31 erreichen sogar eine 5 oder schlechter. Große Verlierer sind Thüringen und Sachsen-Anhalt mit Rückgängen von rund 17 beziehungsweise 15 Prozent. Am Ende der Rangliste stehen dünn besiedelten Landkreise in Sachsen-Anhalt. Sachsen-Anhalt erhält mit 5,33 die schlechteste Demografienote aller Länder. Es gibt aber auch Lichtblicke im Osten: Berlin, Leipzig, Potsdam und Dresden schneiden deutlich besser ab, ebenso mehrere brandenburgische Landkreise. Besonders betroffen sind dünn besiedelte ländliche Regionen: Fast acht von zehn dieser Kreise schrumpfen künftig. Im Durchschnitt verlieren sie rund sieben Prozent ihrer Bevölkerung.

Das Wachstum konzentriert sich auf urbane Räume. Nahezu alle großen Großstädte legen weiter zu, im Durchschnitt um rund vier Prozent. Dazu zählen etwa Leipzig, Berlin, Hamburg und Dresden, aber auch Frankfurt am Main und Düsseldorf. Besonders viele demografisch erfolgreiche Regionen liegen im Süden. 29 der 50 wachstumsstärksten Kreise liegen in Baden-Württemberg und Bayern. Deutlich fallen die Zuwächse allerdings in Berlin und Hamburg mit 9,5 beziehungsweise acht Prozent aus. Viele der gut bewerteten Regionen sind städtische Kreise und Großstädte mit einer vergleichsweise jungen Bevölkerung. Städte und wirtschaftlich starke Regionen ziehen junge Menschen für Ausbildung, Studium und Beruf an und internationale Zuwanderung konzentriert sich häufig auf urbane Arbeitsmärkte. München, Frankfurt a.M. und Offenbach am Main, Regensburg sowie Freiburg im Breisgau verzeichnen sogar noch positive natürliche Salden (Differenz aus Geburten und Sterbefällen).

Auch die Bevölkerungsgruppe im Erwerbsalter zwischen 20 und 67 Jahren schrumpft laut Prognose bis 2045 – bundesweit um 4,7 Prozent. Eine Ausnahme bilden die Metropolen und großen Großstädte wie Berlin, Hamburg, Leipzig oder Frankfurt a. M. Dort dürfte die Zahl der Menschen im Erwerbsalter bis 2045 durchschnittlich noch um etwa 7,5 Prozent wachsen. Sie profitieren von einem starken Zuzug aus dem In- und Ausland sowie von ihrer Wirtschafts- und Strukturstärke. Besonders stark fällt der Rückgang dagegen in Thüringen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und dem Saarland aus, wo die Erwerbsbevölkerung bis 2045 um rund 12 bis 18 Prozent schrumpfen dürfte.

Auch der Zukunftsindex zeigt ein Nord-Süd-Gefälle. Bayern setzt sich an der Spitze deutlich ab: 18 der 20 bestplatzierten Kreise und kreisfreien Städte liegen heute im Freistaat. Zwölf der 20 Kreise und kreisfreien Städte mit den schwächsten Gesamtbewertungen für Demografie, Wirtschaft, Bildung und soziale Bedingungen liegen dagegen im Osten. Im BI-Index liegen zwischen dem erstplatzierten Landkreis Unterallgäu im Südwesten Bayerns mit der Gesamtnote 2,40 und Mansfeld-Südharz im südlichen Sachsen-Anhalt mit 4,76 etwas mehr als zwei Schulnoten. Viele der Kreise und Städte am Ende der Rangliste – ob in Ost oder West – gelten dabei als dünn besiedelte ländliche Regionen.

In Sachen Wirtschaft steht der Landkreis München an der Spitze. Sein Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigen lag zuletzt bei knapp 159.000 Euro und damit fast doppelt so hoch wie im Durchschnitt aller Kreise von 85.665 Euro.

Bayern ist im BI-Index das wirtschaftsstärkste Bundesland und steht damit bei der Zwischennote Wirtschaft an erster Stelle. In allen Indikatoren der Dimension erreicht das Land überdurchschnittlich gute Werte. Beim Einkommen, der Arbeitsmarktteilhabe von Menschen ohne deutschen Pass und dem Akademiker:innenanteil unter internationalen Beschäftigten liegt das Land jeweils ganz vorn.

Hamburg liegt in der Dimension Wirtschaft hinter Bayern auf Platz 2. So verzeichnet der Stadtstaat bundesweit das höchste Bruttoinlandsprodukt je Beschäftigtem. Nur Berlin verzeichnet eine noch höhere Innovationskraft. Berlin verzeichnet mit 9,5 Prozent das größte Bevölkerungswachstum unter den Ländern. Die Bevölkerungszahl steigt laut Prognose von 3,7 Millionen Menschen im Jahr 2024 auf rund vier Millionen im Jahr 2045. In der Dimension Wirtschaft liegt auch Berlin in der Top-Gruppe und belegt Rang 4. Berlin hat sich in der Vergangenheit überdurchschnittlich positiv entwickelt. Außerdem punktet die Hauptstadt mit einer hohen Innovationskraft.

Als erfolgreich und strukturbeständig gelten laut SVR-Analyse Regionen, die einen eher schwächeren Strukturwandel erleben, dabei aber ein vergleichsweise hohes Beschäftigungswachstum verzeichnen. Sie liegen überwiegend im Westen des Landes. Aber auch die Metropolregionen in Ostdeutschland in und um Berlin sowie Dresden und Leipzig fallen in diese Kategorie. Andere Regionen drohen laut SVR Wirtschaft dauerhaft zurückzubleiben. Sie erleben kaum Strukturwandel und höchstens ein geringes Wachstum bei der Beschäftigung. Diese Regionen liegen nicht ausschließlich, aber vermehrt in Ostdeutschland.

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