Während man im Weltgeschehen Zeuge werden kann, wie die regelbasierte Weltordnung unter Beschuss steht, wehren sich US-Gerichte lesenswert gegen die Abschaffung von Rule of Law innerhalb der USA.

Aber kein Grund zum Hochmut. Nicht nur im WH hantieren Typen mit „Wrecking Balls“.

So musste ich neulich zum Thema des bauvertraglichen Gebäudetyp E ein Statement lesen, in dem sich jemand freute, dass Abweichungen von den anerkannten Regeln der Technik keinen Mangel mehr darstellen sollen. Sie rufen nach Freiheit (Vertragfreiheit), die sie längst haben, um sich gegen eine Unterdrückung („Versklavung“ durch DIN-Normen) zu wehren, die es vertragsrechtlich nicht gibt. Absurd.

Was klingt wie der irre Traum eines windigen Bauträgers aus den dunklen „Pfusch am Bau“-Zeiten, kam ausgerechnet aus dem Kreis der Immobilienwirtschaft. Dabei wäre das der Albtraum eines jeden Auftraggebers. Die Bauherren der Immobilienwirtschaft würden in ihren Bauprojekten einen wichtigen und zentralen Mangeltatbestand verlieren. Wie kann jemand aus der Immobilienwirtschaft dies ernsthaft wollen?

Welch starkes Backfire solche Abrissbirnen haben, würde sich spätestens in den Wohnungsbauprojekten zulasten der Bauherren der Wohnungswirtschaft zeigen. Wenn Pfusch am Bau das neue Normal und der frivole Bieter mit seinen horrenden Nachtragsforderungen der neue Standard wird und sich herausstellt, dass die Mietenden keinesfall verpflichtet sind, dies mitzutragen oder auszubaden.

Wie sehr die Geltung des Rechts gerade auch in der Bau- und Immobilienbranche unter Beschuss steht, zeigt sich weitergehend daran, dass manche nun sogar behaupten, selbst der geplante Gebäudetyp E sei zu komplex und daher „juristisch falsch“.

Recht ist komplex, komplex ist schlecht, was Kevin nicht versteht, ist falsch und muss weg. So das Niveau. Wie ein schlimmes Kind, das den Grundwortschatz nicht schafft, sich aber sowohl dem Lernen als auch dem Förderbedarf verweigert, statt dessen lauthals einen geringeren Grundwortschaft fordert, für alle (!), damit das Bildungsniveau insgesamt auf das eigene niedere Niveau gesenkt wird.

Rückschritt als normatives Imperativ. Grotesk.

Und mehr noch: Man will Qualitätsminderungen, möchte aber nicht, dass man es so nennt: Weder soll der Auftraggeber vom Auftragnehmer darüber aufgeklärt werden noch sollen die Mietenden darüber von den Vermietenden informiert werden. Verrückt.

Die Lautsprecher für niederes Niveau, sie mögen bald raus sein aus ihren Ämtern. Die Folgen ihrer Zerstörung aber würden bleiben, in der billig bebauten Umwelt und einem verunstalteten und verunsicherten Recht. Der Schaden für die Immobilienwirtschaft wäre enorm. Denn dieser Wrecking Ball hat ordentlich Backfire, er zerstört das Standing der Wohnungswirtschaft vor allem auch bei den Gerichten und in den Bauprojekten. Dabei ist dieses Standing doch angesichts der angekündigten Regulierungen und des verfolgten Hochlaufs des Wohnungsneubaus so wichtig.

© Copyright by Dr. Elmar Bickert