Die EU-Kommission hat am 15. Dezember 2021 als Teil ihres „Fit for 55“-Pakets ihre Überarbeitung der Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden (Energy Performance of Buildings Directive, EPBD) vorgelegt.

Die Hauptziele der Überarbeitung sind

  • die Verringerung der Treibhausgasemissionen (THG) von Gebäuden und des Endenergieverbrauchs von Gebäuden bis 2030 und
  • die Festlegung einer langfristigen Vision für Gebäude in Richtung EU-weite Klimaneutralität im Jahr 2050.

Um diese Ziele zu erreichen, stützt sich die EU auf mehrere spezifische Ziele:

  • Erhöhung der Renovierungsrate und -tiefe von Gebäuden,
  • Verbesserung der Informationen über die Gesamtenergieeffizienz und Nachhaltigkeit von Gebäuden,
  • Sicherstellung, dass alle Gebäude mit den Anforderungen an die Klimaneutralität im Jahr 2050 in Einklang stehen werden,
  • stärkere finanzielle Unterstützung sowie Modernisierung und Systemintegration.

Renovation is key for reducing the energy consumption of buildings, for bringing down emissions and for reducing energy bills. In addition, renovation generates local jobs and economic growth. Given the long lead-in time
required to induce changes in the building sector, a timely revision of the Directive is needed
to support achieving the “Fit for 55” objectives.

EU Kommission, COM(2021) 802 final, 15.12.2021

Um diese Ziele zu erreichen, stützt sich die EU auf mehrere spezifische Ziele:

  • Erhöhung der Renovierungsrate und -tiefe von Gebäuden,
  • Verbesserung der Informationen über die Gesamtenergieeffizienz und Nachhaltigkeit von Gebäuden,
  • Sicherstellung, dass alle Gebäude mit den Anforderungen an die Klimaneutralität im Jahr 2050 in Einklang stehen werden,
  • stärkere finanzielle Unterstützung sowie Modernisierung und Systemintegration.

Der neue Regulierungsvorschlag ist zugleich ein erster Schritt zur Behandlung von Treibhausgasemissionen während des gesamten Lebenszyklus von Gebäuden. Es geht daher nicht nur um die Verringerung der Energieeffizienz und der Treibhausgasemissionen, sondern auch um den Beginn eines zukunftsorientierten Ansatzes, der die Energieeffizienz mit Ressourceneffizienz, Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit in Einklang bringen soll.

Wesentliche Neuregelungen der EPBD sind die Folgenden:

  • Ab 2030 müssen alle neuen Gebäude emissionsfrei sein; neue öffentliche Gebäude müssen bereits ab 2027 emissionsfrei sein. Das bedeutet, dass die Gebäude wenig Energie verbrauchen, so weit wie möglich mit erneuerbaren Energien betrieben werden, vor Ort keine Emissionen aus fossilen Brennstoffen ausstoßen und ihr Treibhauspotenzial auf der Grundlage ihrer Emissionen über den gesamten Lebenszyklus in ihrem Energieausweis angeben müssen.
  • Die am schlechtesten bewerteten 15 % des EU-Gebäudebestands müssen bis 2030 von der Energieeffizienzklasse (EPC) G auf mindestens F verbessert werden, wobei öffentliche Gebäude und Nichtwohngebäude bis 2027 die Vorreiterrolle für Energieeffizienzklasse F spielen sollen und bis spätestens 2030 auf mindestens die Energieeffizienzklasse E saniert und verbessert werden sollen. Wohngebäude sollen bis 2030 von G auf mindestens F und bis 2033 auf mindestens E saniert werden.
  • Die Pflicht zur Vorlage eines Energieausweises wird auf Gebäude ausgedehnt, die einer größeren Renovierung unterzogen werden, auf Gebäude, für die ein Mietvertrag verlängert wird, und auf alle öffentlichen Gebäude.
  • Der „Smart Readiness Indicator“ für große Nichtwohngebäude wird ab dem Jahr 2026 gestärkt. Um die Entwicklung neuer gebäudebezogener Dienste zu erleichtern, stellt ein neuer Artikel speziell für Gebäudedaten sicher, dass Gebäudeeigentümer, -mieter und -verwalter oder Dritte Zugang zu den Daten der Gebäudesysteme haben. Neue Regeln für die Interoperabilität von Daten und den Zugang zu Daten sollen von der Kommission im Wege eines Durchführungsrechtsakts festgelegt werden.
  • Neuregelung der Verpflichtung zum Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge in Wohn- und Geschäftsgebäuden und zur Förderung spezieller Abstellplätze für Fahrräder. Die Vorverkabelung wird zur Norm für alle neuen Gebäude und Gebäude, die einer größeren Renovierung unterzogen werden, und die Einführung von Ladestationen in neuen und renovierten Bürogebäuden wird besonders gefördert. Die Ladestationen müssen intelligentes Laden ermöglichen, und die Mitgliedstaaten müssen Hindernisse für die Installation von Ladestationen in Wohngebäuden beseitigen und ein „Recht auf Laden“ gewährleisten.
  • Gebäude oder Gebäudeeinheiten, die zum Verkauf oder zur Vermietung angeboten werden, müssen einen Energieausweis haben, und die Energieeffizienzklasse und der Indikator sollen in allen Anzeigen angegeben werden. Die Ausweise über die Gesamtenergieeffizienz sollen klarer werden und bessere Informationen enthalten. Bis 2025 müssen alle Ausweise auf einer harmonisierten Skala von A bis G beruhen.
  • Die nationalen Gebäudesanierungspläne werden vollständig in die nationalen Energie- und Klimapläne integriert, um die Vergleichbarkeit und die Verfolgung der Fortschritte zu gewährleisten. Sie müssen Fahrpläne für den schrittweisen Ausstieg aus der Verwendung fossiler Brennstoffe zum Heizen und Kühlen bis spätestens 2040 enthalten.
  • Ein Gebäude-„Renovierungspass“ soll den Verbrauchern Zugang zu Informationen und geringeren Kosten verschaffen, um ihnen die Planung und schrittweise Renovierung in Richtung Emissionsfreiheit zu erleichtern.
  • Die Mitgliedstaaten sollen aufgefordert werden, Renovierungsaspekte in die öffentlichen und privaten Finanzierungsvorschriften einzubeziehen und geeignete Instrumente, insbesondere für einkommensschwache Haushalte, zu schaffen.
  • Es wird eine Verfallsklausel für finanzielle Anreize zur Nutzung fossiler Brennstoffe in Gebäuden eingeführt: Ab 2027 sollten keine finanziellen Anreize mehr für die Installation von mit fossilen Brennstoffen betriebenen Heizkesseln gewährt werden, und die Mitgliedstaaten erhalten die rechtliche Möglichkeit, die Nutzung fossiler Brennstoffe in Gebäuden zu verbieten.

HINWEISE:
Die EU-Mindestnormen für die Gesamtenergieeffizienz (EU Minimum Energy Performance Standards, MEPS) sind ein System, das die Renovierung der Gebäude mit der schlechtesten Energieeffizienz vorschreibt, d. h. der Gebäude der EPC-Klassen G oder F.
Die Klasse G entspricht den 15 % der Gebäude mit der schlechtesten Energieeffizienz in jedem Land, während die übrigen Gebäude des Landes proportional auf die anderen Klassen zwischen G und A verteilt sind. Die Einstufung A soll den Null-Emissions-Gebäuden entsprechen.
Insbesondere müssen öffentliche Gebäude und Nichtwohngebäude bis spätestens 2027 auf mindestens die Energieeffizienzklasse F und bis spätestens 2030 auf mindestens die Energieeffizienzklasse E saniert und verbessert werden.
Wohngebäude sollten bis 2030 von G auf mindestens F und bis 2033 auf mindestens E saniert werden.
Die Mitgliedstaaten müssen dann spezifische Zeitpläne für die Erreichung höherer Energieeffizienzklassen durch neue nationale Gebäudesanierungspläne festlegen, die mit ihrem Ziel, bis 2050 einen emissionsfreien Gebäudebestand zu erreichen, im Einklang stehen. Sie sind auch befugt, nationale MEPS festzulegen, die mit ihren nationalen Gebäudesanierungsplänen übereinstimmen.
Nach dem Vorschlag der Kommission würde die Renovierung von Stufe G auf F auf der Skala des Energieausweises für etwa 30 Millionen Gebäudeeinheiten gelten. Die Kommission hilft bei der Mobilisierung der Finanzmittel für die Vorab-Investitionskosten für diese Einheiten, wobei bis zu 150 Mrd. EUR aus dem EU-Haushalt für die Umsetzung der Mindestnormen für die Gesamtenergieeffizienz bis zum Jahr 2030 zur Verfügung stehen sollen.

  • Es wird zudem eine neue Definition des Begriffs „Nullemissionsgebäude“ eingeführt. Nullemissionsgebäude sollen zum neuen Standard für neue Gebäude werden, zum Niveau, das durch eine tiefgreifende Renovierung ab 2030 erreicht werden soll, und zur Vision für den Gebäudebestand im Jahr 2050.
  • Auch wird die Definition des „Niedrigstenergiegebäudes“ präzisiert, das bis zur Anwendung des Null-Emissions-Gebäudestandards der Standard für Neubauten bleibt und bis 2030 das durch eine tiefgreifende Renovierung zu erreichende Niveau wird.
  • Neu definiert wird auch „tiefgreifende Renovierung“ als Goldstandard für die Gebäudesanierung und „stufenweise tiefgreifende Renovierung“, um ihre Umsetzung zu erleichtern.
  • Eingeführt wird auch eine Definition von „“mortgage portfolio standards”, um Kreditgebern Anreize zu bieten, die Energieeffizienz ihres Gebäudeportfolios zu verbessern, und um potenzielle Kunden zu ermutigen, ihre Immobilien energieeffizienter zu gestalten.

© Copyright by Dr. Elmar Bickert