In dem Nolan-Meisterwerk „Die Odyssee“ hört Odysseus den Gesang der Sirenen und berichtet: Es klinge wie alles, was man sich je gewünscht hat, und erweist sich als all das, was man niemals haben wollte.

Manch einem in der Bau- und Immobilienwirtschaft wird das erinnern an den Gesang einiger Lautsprecher für niederes Niveau, man müsse nur deregulieren, dann würde alles gut.

Odysseus wird von dem düsteren Agamemnon, der sein eigenes Kind für den Krieg opfert, in den Krieg gegen Troja gezwungen. Mit der List des Trojanischen Pferdes wird Troja nach zehnjähriger Belagerung erobert und brutal zerstört.

Der Sieg aber erweist sich als der Anfang vom Ende. Agamemnon wird nach seiner Rückkehr von seiner eigenen Frau getötet. Odysseus verliert auf dem Heimweg nach Ithaka die Orientierung und erkennt nach langer Odyssee: „Wir haben so viel zerstört, einfach alles.“

Mit dem Fall Trojas wurde all das zerstört, was zuvor für das Miteiandner wichtig war. Seine Männer hat er verloren an die Monster, die er selbst weckte. Seine toten Soldaten erscheinen ihm beim Hades, bezichtigen ihn der Lüge, des Verrats und verfolgen ihn aus der Unterwelt heraus. Er sitzt „in den Ruinen seines Tuns“ und erkennt, sich für die falsche Sache geopfert zu haben.

Large wooden Trojan horse model on wheels at a city construction site with workers and cranes

Erkennt sich jetzt der Bauherr der Immobilienwirtschaft, der gezwungen wird, den Gesang der Deregulierungssirenen zu singen, im Odysseus wieder?

Mit einem Trojanischen Pferd (das Versprechen bezahlbaren Wohnens und kostengünstigen Bauens) soll er Troja (die Geltung des Rechts) angreifen, verunstalten, brandschatzen und zerstören.

Mit der Zerstörung Trojas aber wird er in seinen Bauprojekten die bislang so wichtige Orientierung verlieren (wichtige und zentrale Mangeltatbestände, normative Standards) und Opfer jener „Monster“ werden, die er selbst weckte (Pfusch am Bau, frivole Bieter mit horrenden Nachtragsforderungen und Mietende, die keinesfalls verpflichtet sind, dies auszubaden).

Wenn dieser Bauherr dann in den „Ruinen seines Tuns“ (auf der Baustelle) sitzt, kommt er sich vor wie beim Hades: Die einstigen Projektteilnehmer erinnern ihn, dass das Trojanische Pferd tatsächlich nur eine List war, um die Zerstörungswut und das Machtstreben längst erledigter Gestalten zu ermöglichen. Und die Bauprojekte unter dem verunstalteten und geschwächten Recht werden ihn als dunkle Schatten verfolgen.

Gehen Sie also ins Kino in diesen so großartigen Film. Und lassen Sie sich nicht von dem Gesang der Sirenen irreführen. Opfern Sie nicht Ihre eigenen Bauprojekte der politischen Agenda anderer, die noch nie selbst ein Bauprojekt realisert haben.

© Copyright by Dr. Elmar Bickert