9/11 – Wo waren Sie vor 25 Jahren?
Das wird man diese Tage oft gefragt. Ich erinnere das gut.

Bibliotheks-Tag in der Juristischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin. Damals sowas wie ein Lieblingsort von mir. Morgens rein, guten Platz sichern, 2. Ebene Fensterplatz, Kopfhörer auf und nur kurz entspannt raushorchen, wenn zwischendurch über den Bebelplatz die Musik von der Staatsoper unter den Linden rüberhallte. Entspannte Pausen im Grün des Innenhofes zum Uni-Hauptgebäudes auf der anderen Seite der Linden, im Herbst ein Traum, gemeinsam das Abendprogramm planend. Ein beinahe klischeehaftes Studieren in Berlin, für mich als Zugezogener vom Bodensee aber genau das, was ich wollte.
Kein Handy-Empfang, volle Konzentration, Geraune am Nachbartisch ignorierend. Dann spät raus aus der Bibliothek, eilig auf den Weg nach Hause Richtung Friedrichstraße, aber gleich neben der Fakultät eine Menschenmenge bemerkend, die schockiert auf einem kleinen Außenfernseher der Deutschen Bank starrt. Bilder von einstürzenden Wolkenkrazern sehen, kein verständlicher Ton, Entsetzen und Unverständnis.
Danach war weniger Konzentration, mehr Gespräch und viel Verarbeiten.
Heute sitze ich nicht mehr in Uni-Bibliotheken. Kopfhörer aber habe ich wieder häufiger auf. Schon seit Monaten fehlt in keiner meiner Playlists: Beastie Boys – An Open Letter to NYC
„Since 9/11, we’re still livin‘
And lovin’, life we’ve been given
Ain’t nothing gonna‘ take that away from us
Were lookin‘ pretty and gritty cause in the city we trust
Dear New York, I know a lot has changed
2 towers down, but you’re still in the game
Home to the many, rejecting no one
Accepting peoples of all places, wherever they’re from
Brooklyn, Bronx, Queens, and Staten
From the Battery to the top of Manhattan
Asian, Middle-Eastern, and Latin
Black, White, New York you make it happen“
Ich finde, besser können auch wir heute und hier nicht 9/11 gedenken.

© Copyright by Dr. Elmar Bickert
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