We are not, and will not be, a climate policymaker.
Das sagte schon 2023 Jerome H. Powell, damaliger Chair der Central Bank of the USA (Federal Reserve System).
Zur gleichen Zeit sagte Isabel Schnabel, Mitglied des European Central Bank’s Executive Board:
In this environment, fiscal policy needs to remain in the driving seat when it comes to fighting climate change.
Die so konträren Positionen der großen Zentralbanken erläuterte Powell selbst:
While U.S. monetary policy has the dual mandate of maximum employment and price stability, some other central banks have somewhat more expansive mandates. The Bank of England and the European Central Bank both have a primary mandate to maintain price stability but a secondary mandate to support the economic policies of the U.K. government and the European Union, respectively.
Siehe schon:
Die angesprochene Bank of England hat kürzlich geliefert. Sie hat bekannt gegeben, dass sie es kommerziellen Banken nicht mehr erlauben wird, Anleihen, die mit der klimaschädlichen Kohle verbunden sind, als Sicherheiten zu verwenden, wenn sie Geld von der Zentralbank leihen wollen. Unternehmen, die mit Kohle arbeiten, werden als mit finanziellen Risiken belastet angesehen, als zu risikoreich, um auf der Bilanz der Bank zu liegen. Der Wandel weg von schmutzigen fossilen Brennstoffen hin zu grüner Energie kann dazu führen, dass der Wert solcher Anlagen vernichtet wird.

Und auch die European Central Bank (ECB) bleibt im Driver’s Seat:

Am 24 Juli 2026 hat die ECB nun bekannt gegeben, die Anwendung von Klimafaktoren im Sicherheitenrahmen des Eurosystems auf Kreditforderungen an nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften auszuweiten.
- Ausweitung der Klimafaktoren soll Eurosystem vor potenziellen Wertverlusten bei Sicherheiten im
Falle klimabezogener Transitionsschocks schützen - Maßnahme ergänzt den bestehenden Risikokontrollrahmen und erhöht die Resilienz der
geldpolitischen Implementierung - Einführung frühestens Ende 2027; jährliche Aktualisierung der Klimafaktorwerte
Die Anwendung von Klimafaktoren im Sicherheitenrahmen des Eurosystems wird auf bestimmte notenbankfähige Kreditforderungen ausgeweitet, deren Schuldner ein nichtfinanzielles Unternehmen ist. Diese Ausweitung soll den Risikomanagementrahmen des Eurosystems weiter stärken, indem finanzielle Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem ökologischen Wandel berücksichtigt werden.
Die maximale zusätzliche Reduzierung des endgültigen Sicherheitenwerts, einschließlich Anleihen und Kreditforderungen, beträgt 5 %. Die Klimafaktoren für einzelne Kreditforderungen werden nicht veröffentlicht.
Die Maßnahme wird voraussichtlich frühestens Ende 2027 eingeführt. Die Klimafaktorwerte werden jährlich aktualisiert, um die neuesten verfügbaren klimabezogenen Daten zu berücksichtigen.
Die Maßnahme baut auf der vorgenannten Einführung eines Klimafaktors für marktfähige Vermögenswerte, die von nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften und ihren verbundenen Unternehmen begeben werden, auf. Diese wurde im Juli 2025 beschlossen und trat am 15. Juni 2026 in Kraft.
- Sicherheiten, die von Geschäftspartnern im Rahmen von Refinanzierungsgeschäften des Eurosystems hinterlegt werden, können unerwarteten klimabezogenen Transitionsschocks ausgesetzt sein.
- Dazu zählen etwa klimapolitische Änderungen, technologische Entwicklungen, ein geändertes Konsumverhalten, Rechtsstreitigkeiten und umfassendere gesamtwirtschaftliche Anpassungen.
- Diese Faktoren können den Wert von Sicherheiten, einschließlich Kreditforderungen, beeinflussen, wenn das Eurosystem solche Vermögenswerte liquidieren muss.
- Je stärker die Sicherheiten auf klimabedingte Unsicherheiten reagieren, desto höher sind dieAbschläge, die auf ihren Wert vorgenommen werden.
Der Klimafaktor basiert auf einem Uncertainty Score auf Vermögenswertebene. Dieser Score umfasst drei Elemente:
- einen aus dem jüngsten Klimastresstest des Eurosystems abgeleiteten sektoralen Stressor,
- die Anfälligkeit des Schuldners gegenüber transitionsbedingten Unsicherheiten (Exposure) und
- die Restlaufzeit der Kreditforderung.

Siehe schon:
Stehen keine Branchen- oder Schuldnerdaten zur Verfügung, kann das Eurosystem auf sektorale Daten oder andere Daten zurückgreifen, die geeignet sind, die betreffenden Risiken zu bewerten.
Am 06. August 2026 teilte wiederum die EBA (European Banking Authority) mit, dass nach ihrem ESG Risk Dashboard stabile Klimarisiko-Exposition gegeben sind und dass sich die Datenqualität fortwährend verbessert. Dies unterstütze eine robustere Überwachung klimabezogener Risiken im Bankensektor.
Das EBA ESG-Risk-Dashboard bietet einen regelmäßigen Überblick über klimabezogene Risiken im Bankensektor der EU/EEA, basierend auf ESG-Offenlegungsdaten. Es unterstützt die Überwachung der Risiken, denen Banken sowohl durch Übergangs- als auch durch physische Klimarisiken ausgesetzt sind, und hilft, aufkommende Verwundbarkeiten im Zusammenhang mit dem Klimawandel zu bewerten.
Overall, the results for the second half of 2025 indicate stable climate-related risk exposures in the EU/EEA banking sector, accompanied by incremental improvements in the availability and quality of climate-related reporting data.
EBA ESG Risk Dashboard
Man kann also durchaus feststellen, was Frank Elderson, Mitglied des ECB’s Executive Board, so treffend zu „nature-related Risks“ sagte:
This is not some kind of a flower-power, tree-hugging exercise. This is core economics. This is core financial stability, core price stability.
Um diese Erkenntnis kommt man natürlich auch in den USA nicht umhin, auch wenn es dort in Sachen Klima aus bekannten Gründen ruhiger geworden ist. Zutreffend hatte es kürzlich Sarah Kapnick, Global Head of Climate Advisory J.P. Morgan, zusammengefasst:
Climate risk is no longer a distant environmental issue, it’s becoming a core business and financial challenge. From rising insurance premiums and supply chain disruptions to labor productivity, infrastructure resilience, and asset valuations, companies worldwide are being forced to rethink how they prepare for an increasingly volatile climate. Investors, governments, and corporate leaders are now recognizing that resilience is not simply about managing risk, it’s about protecting long-term value.
Climate Investing, Resilience & the Future of Business, 23 July 2026
Im Mittelpunkt stehen dabei aus aktuellem Anlass die Hitzewellen.
Rekord-Hitzewellen in Nordamerika und Europa gefährden Menschen und bremsen die Wirtschaft.
Das schreibt etwa der führende Rückversicherer Munich Re am 30.07.2026.
Für den Immobilienbereich hat sich kürzlich das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) mit der Herausgabe der Studie „Hitzestress in Städten: Konsequenzen des „Nichthandelns“ bemerkenswert in den „Driver’s Seat“ gesetzt.
Thermische Belastung schränkt die Funktionsfähigkeit und Nutzbarkeit von Gebäuden und Infrastrukturen ein. Konkret bedeutet dies Materialermüdung und Funktionsstörungen an Gebäudesubstanz und Infrastrukturen, höhere Instandhaltungs- und Betriebskosten sowie Wertverluste bei Immobilien.
Hartz, A.; Recktenwald, T.; Saad, S.; Joswowitz-Niemierski, A.; Pfafferott, J., 2026: Hitzestress in Städten: Konsequenzen des „Nichthandelns“: Urban Heat Labs – Hitzevorsorge in Stadtquartieren und Gebäuden. Herausgeber: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). BBSR-Online-Publikation 31/2026. Bonn. https://doi.org/10.58007/adtt-kh91

„Die ökonomischen Folgen und „Kosten des Nichthandelns“ summieren sich direkt oder indirekt für alle Gesellschaftsbereiche auf: Überhitzte Wohn- und Gewerbegebiete führen zu steigenden Energie- und Betriebskosten, Produktionsausfällen, erhöhtem Wartungsbedarf, Wertverlusten von Immobilien sowie notwendigen individuellen Maßnahmen.“
Hartz, A.; Recktenwald, T.; Saad, S.; Joswowitz-Niemierski, A.; Pfafferott, J., 2026: Hitzestress in Städten: Konsequenzen des „Nichthandelns“: Urban Heat Labs – Hitzevorsorge in Stadtquartieren und Gebäuden. Herausgeber: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). BBSR-Online-Publikation 31/2026. Bonn. https://doi.org/10.58007/adtt-kh91
Besonders eindrucksvoll und sehr lesenwert sind die jeweils erarbeiteten Wirkungsketten,
- zum einen die Wirkungskette der „Konsequenzen der zunehmenden thermischen Belastung in Wohngebäuden und -quartieren“ (Abbildung 9) und
- zum anderen die Wirkungskette der „Konsequenzen der zunehmenden thermischen Belastung in Gewerbegebäuden und -gebieten“ (Abbildung 12)
- jeweils in: Hartz, A.; Recktenwald, T.; Saad, S.; Joswowitz-Niemierski, A.; Pfafferott, J., 2026: Hitzestress in Städten: Konsequenzen des „Nichthandelns“: Urban Heat Labs – Hitzevorsorge in Stadtquartieren und Gebäuden. Herausgeber: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). BBSR-Online-Publikation 31/2026. Bonn. https://doi.org/10.58007/adtt-kh91:


Sie sind zugleich ein deutlicher Beleg dafür, wie veraltet Ansichten sind, die meinen, in Sachen Klima solle es im Gebäudesektor nur noch um Emissionseffizienz gehen.
© Copyright by Dr. Elmar Bickert
Beitragsbild: Jetpack AI
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