In Dessau fand das Bauhaus nach der Vertreibung aus Weimar durch die Nazis eine neue Heimat und mit Hugo Junkers einen Förderer. Ein Innovationslabor entstand, in dem schon früh Antworten gesucht wurden auf einen hohen Wohnraumbedarf und mit einer Symbiose aus Kunst, Handwerk und Technik experimentell gefunden wurden im seriellen und modularen Bauen unter Berücksichtigung sozialer, ökologischer und funktionaler Aspekte.
Am 1. Oktober 1932 wurde das Bauhaus in Dessau geschlossen und nach Berlin verlegt. Ein Jahr später wurde auch Junkers aus seinen Unternehmen gedrängt und aus der Stadt vertrieben. Die Nazis hatten mit ihrer Vertreibungs- und Tötungsmaschinerie von Thüringen aus Dessau erreicht. Eine Vielzahl an Stolpersteinen erinnert heute daran. Im März 1945 wurde die Bauhausstadt wegen der kriegswichtigen Unternehmen wie die Junkers-Flugzeugwerke zum Ziel amerikanischer und britischer Luftangriffe.
Seit einigen Jahren pflege ich Stolpersteine in dieser Stadt. Ich durfte erleben, wie Nachkommen von Opfern des Naziregimes u.a. aus Australien zu Besuch kamen. Erinnerungsarbeit, die Sinn macht. Habe erlebt, wie eine neue Synagoge in der Stadt entstand. Ein neues Bauhaus Museum bereichert die Stadt neben dem Umweltbundesamt und dem großartigen Anhaltischen Theater. All dies ist stets einen Besuch wert.
Aber all dies sind Institutionen, die nun wieder von Rechtsextremisten angegriffen werden. Die Gefahr ist real, sie kommt 2026 nicht aus Thüringen, sondern aus Sachsen-Anhalt selbst. Anfang September ist Wahl. Manche sagen, der wichtigste Ort in der Stadt werde dann die Autobahnauffahrt A9 nach Berlin.
Man sieht aber auch Widerstand. Das Theater fordert Kunstfreiheit. Die Kirche plakatiert ihre Werte. Und das Umweltbundesamt befasst sich in Studien mit der „populistischen Herausforderung“. „Institutionelle Resilienz stärken“ ist eine zentrale Folgerung.
„Verteidige Institutionen“, schrieb schon Timothy Snyder (Über Tyrannei – Zwanzig Lektionen für den Widerstand). Denn: „Institutionen schützen sich nicht selbst.“








Es ist leider ausgerechnet das Bauhaus Dessau, dessen Leitung man daran erinnern muss, nicht nur Stil, sondern auch Haltung zu sein.
Aber es machen andere.
Auf Initiative von Staatsminister für Kultur und Medien Wolfram Weimer haben Verbände und Institutionen aus Kultur, Design, Handwerk, Architektur sowie Kirchen gemeinsam soeben das Bauhaus-Manifest 2026 unterzeichnet – und setzen damit ein Zeichen für Freiheit, Offenheit und Kreativität. Zugleich ein Plädoyer dafür, die Prinzipien des Bauhauses gegen demokratiefeindliche Angriffe zu verteidigen. Aus dem Baubereich sind der Zentralverband des Deutschen Handwerks und die Bundesarchitektenkammer sowie der Deutsche Städtetag Erstunterzeichner.
Wir sind stolz auf das Bauhaus. Es hat gesellschaftspolitisch gewirkt und die ästhetische Moderne weltweit bereichert. Die Bauhaus-Institutionen sollen gestärkt, ihre kreative Freiheit wie ihre soziale Öffnung als Vorbild begriffen und gegen jedwede demokratiefeindlichen Angriffe verteidigt werden.
Bauhaus-Manifest 2026, Ziffer 1: Bekenntnis zum Bauhaus
Außerdem verabschiedeten soeben die Bundesländer aus Anlass des Bauhaus-Jubiläums die „Dessauer Erklärung“ für eine freie, offene und vielfältige Kulturlandschaft. Die Kulturministerkonferenz warnt vor politischer Einflussnahme, finanziellen Sanktionen und jeder Form von Zensur. Sie bekennt sich dazu, kulturelle Vielfalt in einer freien, offenen und demokratischen Gesellschaft zum zentralen Maßstab ihrer Entscheidungen zu machen.
Sie weisen darauf hin, dass nach Art. 28 Abs. 1 GG „die verfassungsmäßige Ordnung in den Ländern den Grundsätzen des republikanischen, demokratischen und sozialen Rechtsstaates im Sinne dieses Grundgesetzes“ entsprechen muss. Die Beachtung dieses Homogenitätsgebotes ist eine wesentliche Grundlage der Zusammenarbeit der Länder und des Bundes in ihrer föderalen Gemeinschaft. Dafür ist grundlegende Voraussetzung, dass in allen deutschen Ländern die Freiheit der Kunst und der Meinungsäußerung gewährleistet ist, die für Künstlerinnen und Künstler sowie gleichermaßen für Kultureinrichtungen gilt. Die Achtung der Freiheit der Kunst ist Gradmesser gesellschaftlicher und demokratischer Freiheit.
Gemeinsame Erklärung der Kulturministerinnen und -minister sowie -senatoren zu einer freiheitlichen Kunst- und Kulturlandschaft in Deutschland aus Anlass des diesjährigen Bauhaus-Jubiläums (Dessauer Erklärung) – Beschluss der Kulturministerkonferenz vom 20.08.2026
für die Kultusministerkonferenz
Und ja, ich werde mich weiter für die Stolpersteine engagieren.
Das Beispiel des Bauhauses und seiner Anfeindungen durch das Nazi-Regime mahnt uns, dass Erinnerungskultur keine nostalgische Rückschau ist, sondern eine Voraussetzung demokratischer Selbstverständigung. Stellen wir uns unserer Geschichte, um Orientierung für die Gegenwart zu schaffen und Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen. Unterstützen wir deshalb Kulturinstitutionen, die dieses Gedächtnis bewahren und Räume der konstruktiven Auseinandersetzung eröffnen.
Bauhaus-Manifest 2026, Ziffer 3: Erinnerung ist die Grundlage unserer Zukunft
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