Inhalt

Dieser Beitrag ist in zwei Teile aufgeteilt:

Teil 1/2:

  • Einleitung
  • Die BIM Methode des BMVI Stufenplans
  • Ziele und Potentiale
  • Adressaten des Stufenplans

Teil 2/2:

  • Die geplanten Stufen des BMVI Stufenplans
  • Voraussetzungen
  • Leistungsniveau 1 und Maßnahmen
  • Zwischenfazit
  • Weiterführende Nachweise

Increasingly, sustainability is becoming a requirement rather than just a desirable characteristic, and its pursuit is bound to affect both the construction process and the built asset itself.“ World Economic Forum, Industry Agenda: Shaping the Future of Construction – A Breakthrough in Mindset and Technology, 2016, S. 13.

Einleitung

Der Planungs- und Bauprozess wird im Rahmen des Nachhaltigkeitsansatzes insbesondere durch das beeinflusst, was man unter der Prozessqualität (Querschnittsqualität) und der überlagernden Nachhaltigkeitsstrategie versteht: Die integrierte und interdisziplinäre Immobilienplanung und die Lebenszyklusbetrachtung (siehe zu den Qualitäten und der Strategie hier und den BMUB, Leitfaden Nachhaltiges Bauen, 2013, S. 11 f., 18, 23 ff.).

Durch die Digitalisierung und dabei insbesondere durch Building Information Modelling (BIM) erhält dieser Ansatz eine neue Dynamik.

New technologies in the digital space, for example, will not only improve productivity and reduce project delays, but can also enhance the quality of buildings and improve safety, working conditions and environmental compatibility. Building Information Modelling (BIM) plays a central role here, as it is the key enabler of and facilitator for many other technologies […].“ World Economic Forum, Industry Agenda: Shaping the Future of Construction – A Breakthrough in Mindset and Technology, 2016, S. 10.

Besagte eine BIM-Studie des Frauenhofer IAO zum Stand und zu den Potenzialen digitaler Planungs- und Fertigungsmethoden von 2015, dass digitales Bauen noch Zukunftsmusik sei, so kann man nun sagen, dass auf Bundesebene wie auch auf europäischer Ebene die digitale Zukunft zunehmend Gestalt annimmt.

Schon das Aktionsprogramm Großprojekte hatte die Vorantreibung der Digitalisierung des Planens, Bauens und Betreibens von Bauwerken im Sinne von BIM gefordert. Das Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen hatte mitunter empfohlen, deutliche Kostensenkungen durch integrales Planen zu erreichen.


Nun hat das BMVI den von der „planen-bauen 4.0 Gesellschaft für Digitalisierung des Planens, Bauens und Betreibens mbH“ entwickelten Stufenplan zur Einführung moderner, IT-gestützter Prozesse und Technologien bei Planung, Bau und Betrieb von Bauwerken (Road Map for Digital Design and Construction) vorgelegt. Nach dem Selbstverständnis der Initiatoren geht es um

  • digitales Planen,
  • effizientes Bauen und
  • nachhaltiges Betreiben.

Mit BIM soll der gesamte Lebenszyklus eines Bauprojekts virtuell abgebildet werden: vom Entwerfen und Planen über den Bau und den Betrieb bis zu seinem Abriss.

Building Information Modelling bezeichnet eine kooperative Arbeitsmethodik, mit der auf der Grundlage digitaler Modelle eines Bauwerks die für seinen Lebenszyklus relevanten Informationen und Daten konsistent erfasst, verwaltet und in einer transparenten Kommunikation zwischen den Beteiligten ausgetauscht oder für die weitere Bearbeitung übergeben werden.“ BMVI, Stufenplan Digitales Planen und Bauen, S. 4.

Auf europäischer Ebene hat sich die EU BIM Task Group gebildet, um aus Sicht der öffentlichen Auftraggeber eine einheitliche BIM Einführung in Europa zu verfolgen.

The social, environmental and economic benefits of digitalization are well recognized: Building Information Modelling (BIM) is digitalization for the construction sector. From a public stakeholder perspective, BIM can provide significant efficiency benefits to public works, to public value for money and be a driver for growth and competitiveness.EU BIM Task Group.


Die BIM Methode des BMVI Stufenplans

Nach dem Stufenplan des BMVI besteht die BIM-Methode in der Erstellung von digitalen, virtuellen 3D Bauwerksmodellen (bei Einbeziehung von Kosten und Zeit „4D“ bzw. „5D“ Modelle) im Wege eines kooperativen Planungsprozess mit allen beteiligten Planern, deren Informationen als Datengrundlage während der Planung, Realisierung, des Betriebs und der Erhaltung der Bauwerke dienen. Die Modelle sollen die Betrachtung des gesamten Lebenszyklus erleichtern und die Geometrie und andere Aspekte des Bauwerks sowie den Planung- und Bauprozesses einschließlich Qualität, Kosten und Zeit sichtbar machen. Auf Grundlage computergestützter Simulationen sollen

  • Projektvarianten besser visualisiert,
  • Planungsfehler minimiert und
  • ein reibungsloser Bauablauf gewährleistet werden.

Ziele und Potentiale

Als Ziele und Potentiale der BIM-Methode werden definiert:

  1. Erhöhung von Planungsgenauigkeit und Kostensicherheit
  2. Optimierung der Kosten im Lebenszyklus
  3. Stärkung der Kooperation und des partnerschaftlichen Miteinanders in Teams in der Planung- und Ausführungsphase
  4. Erleichterung der Implementierung eines fundierten Risikomanagements
  5. Frühzeitige Erkennung und Abwehr von Nachtragsstrategien und Gewährleistung der Bezuschlagung qualitativer und tatsächlich wirtschaftlicher Angebote
  6. Steigerung von Transparenz und Kontrolle:

Projektintern: Die geometrische, zeit- und kostenbezogene Modellierung des Projekts erleichtert ein kontinuierliches Controlling

Öffentlichkeit: Visualisierungen und verlässlichere Abschätzung von Kosten und Risiken

Zur Erreichung dieser Ziele und zur Realisierung der Potentiale will der Stufenplan Rechtssicherheit und Verlässlichkeit gewährleisten, zunächst durch Herstellung eines gemeinsamen Verständnisses von der BIM-Methode und durch die Festlegung der Anforderungen an digitale Modelle und an das gemeinschaftliche Arbeiten mit BIM.


Adressaten des Stufenplans

Adressaten des Stufenplans sollen sein:

  • Primär öffentliche Auftraggeber des Infrastrukturbaus und des infrastrukturbezogenen Hochbaus, die das Leistungsniveau 1 in ihren Projektvergaben einfordern müssen und die Auftragnehmer, die sich entsprechende Kenntnisse aneignen müssen.
  • Auch andere öffentliche sowie private Auftraggeber sollen von dem Stufenplan als Grundlage für die Einführung von BIM profitieren können.

Fortsetzung: Hier geht es zum zweiten Teil.


© Copyright by Dr. Elmar Bickert

Über den Autor Dr. Elmar Bickert

Rechtsanwalt in Berlin, spezialisiert auf das Immobilien- und Baurecht aus dem Blickwinkel des gesamten Lebenszyklus von Immobilien, auf das Energierecht, das Umweltrecht und auf Sustainable Real Estate.