Corporate Responsibility, Sustainability & ESG/CSR-Reporting – Teil 1/2: Leitfäden und Reports der Immobilienwirtschaft

Die Bundesregierung hat mit Stand vom 21. September 2016 den Entwurf eines Gesetzes zur Stärkung der nichtfinanziellen Berichterstattung der Unternehmen in ihren Lage- und Konzernlageberichten (CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz) veröffentlicht. Es soll die EU-Richtlinie 2014/95/EU vom 22.10.2014 zur Angabe nichtfinanzieller und die Diversität betreffender Informationen durch bestimmte große Unternehmen und Gruppen (CSR-Reporting-Richtlinie) umsetzen (Frist bis zum 06. Dezember 2016).

Das Europäische Parlament hat in seinen Entschließungen […] anerkannt, dass der Offenlegung von Informationen zur Nachhaltigkeit, wie sozialen und umweltbezogenen Faktoren, durch die Unternehmen eine große Bedeutung zukommt, um Gefahren für die Nachhaltigkeit aufzuzeigen und das Vertrauen von Investoren und Verbrauchern zu stärken. CSR-Reporting-Richtlinie, Erwägung (3)

Investoren, Unternehmen sowie Verbraucherinnen und Verbraucher verlangen insoweit vor allem mehr und bessere Informationen über die Geschäftstätigkeit von Unternehmen, um zu entscheiden, ob sie investieren, Lieferbeziehungen eingehen oder Produkte erwerben und nutzen. Entwurf CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz


Corporate Social Responsibility (CSR) bzw. Environment, Social and Corporate Governance (ESG) und das Thema der Nachhaltigkeitsberichtserstattung sind in der Immobilienwirtschaft schon angekommen, siehe nur

In diesem ersten Teil soll kurz und einleitend auf die Immobilienwirtschaft eingegangen werden, bevor im zweiten Teil sodann der neue Gesetzentwurf dargestellt wird.


Die RICS Nachhaltigkeitsstatistik 2015 hatte bereits festgestellt:

Da die Immobilienwirtschaft Teil der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung ist, erhöht sich auch die Anzahl der Immobilienunternehmen, die CSR Richtlinien beschließen, einen Nachhaltigkeitskodex verankern und Grundlagen für ein Nachhaltigkeitsreporting schaffen.

Die RICS Nachhaltigkeitsstatistik 2015 stellte auch fest, dass der gesamte Fortschritt bei der Entwicklung zu mehr Nachhaltigkeit im Bestand zunehmend über ein entsprechendes Nachhaltigkeitsreporting der Assetmanager und Bestandshalter abgebildet wird. Das ebenfalls unter Beteiligung der RICS entstandene RenoValue Projekt beschreibt in seiner Publikation Nachhaltigkeit in der Immobilienwertermittlung  (Juni 2016) CSR, Nachhaltigkeitsberichtserstattung und nachhaltige Immobilieninvestitionsstrategien gar als Ausdruck eines sich ändernden Geschäftsklimas bei den Kunden.

Gemessen an den zwischenzeitlich veröffentlichten Leitfäden und Reports hat diese Entwicklung erneut Fahrt aufgenommen:


Ganz aktuell ist der vom ZIA Zentralen Immobilien Ausschuss e. V. und der ICG Initiative Corporate Governance der deutschen Immobilienwirtschaft e. V. herausgegebene Praxisleitfaden für wirksames soziales-gesellschaftliches Handeln in der deutschen Immobilienwirtschaft zu nennen, der am 28. September 2016 vorgestellt wurde (siehe auch schon den Branchenkodex – Corporate Real Estate Management).


Der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V. bietet mit seinem Leitfaden zur branchenspezifischen Ergänzung des Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) vom März 2016 eine Orientierungshilfe für Wohnungsunternehmen an.


Die RICS hatte bereits im Juni 2015 nach einer zweijährigen Zusammenarbeit mit dem UN Global Compact den Report “Advancing Responsible Business Practices in Land, Construction, Real Estate Use and Investment” vorgelegt. Er möchte den Unternehmen über den gesamten Immobilienlebenszyklus hinweg eine Anleitung bei Entscheidungsprozessen geben, damit diese, von Auftragsvergabe, Planung, Gestaltung und Bau bis zu Betrieb, Sanierung und schließlich Entsorgung, verantwortungsvoll und nachhaltig operieren können und damit einen sozialen und ökologischen Wert, einen Beitrag in Bezug auf ihr Image und langfristigen finanziellen Erfolg erzielen können.

Corporate Sustainability: Refers to a company’s delivery of long-term value in financial, social, environmental and ethical terms – it entails both respect for universal principles ans baseline standards in these areas, as well as proactive support for a sustainability agenda. RICS/UN Global Compact, Advancing Responsible Business Practices in Land, Construction, Real Estate Use and Investment, Juni 2015, Report, S. 7


Schließlich ist der bereits dargestellte Report Sustainable Real Estate Investment – Implementing the Paris climate agreement: An action framework (Februar 2016) von CERES – INCR, IIGCC, IGCC, PRI, RICS und UNEP FI zu nennen, der einen praxisorientierten und wissenschaftlich fundierten Handlungsleitfaden dafür bieten soll, wie  im Immobilienwesen Nachhaltigkeitsaspekte in die unternehmerische Entscheidungsfindung und Investitionsentscheidung integriert werden können.

In parallel, investors in listed companies and stock exchanges themselves are demanding greater transparency and reporting on “externalities” – such as ESG and climate – whose impacts are often invisible in standard financial accounts and yet economically material. […] By integrating ESG and climate risks into their businesses, real estate investors are better able to understand and actively manage these market shifts, including occupier preferences and changing behaviour, market externalities, new regulatory frameworks and legal requirements. Failing to consider ESG integration is a failure of fiduciary duty. UNEPFI/Ceres/IGCC/IIGCC/PRI/RICS, Sustainable Real Estate Investment – Implementing the Paris climate agreement: An action framework, 2016, S. 9

Zu den Reporting Standards and Requirements enthält der Report (S. 29 f.) eine Reihe an konkreten Should Actions, deren Umsetzung empfohlen wird:

  • Define ESG and climate risk-related expectations in manager reporting requirements and discussions.
  • Require systematic reporting by the manager in a cost effective format or dashboard, which provides material ESG and climate performance information in a meaningful and coherent manner.
  • Require information should cover al material topics that reflect the organization’s significant economic, environmental, and social impacts, or that would substantively influence the assessments and decisions of stakeholders.
  • Agree delivery date and format for a report with sections for “business as usual progress towards agreed targets” as well as an “exception report” area for managers to identify or highlight particular incidents in the reporting period.
  • Select and agree on reporting standards, and scope and depth of reporting required, with a focus on materiality to the business and value drivers and accounting for geographical or regional norms and regulatory expectations.
  • Include a placeholder for relevant regulatory update and industry framing section in recognition of the fact that ESG and climate frameworks are not static and changes to the regulatory environment or competitive landscape are important to monitor.
  • Enable manager to provide free-form comments to the standard and data driven format.
  • Agree on data sources and ensure that reports are systematically filled with the most relevant and updated data from the manager.
  • Agree in advance on periodicity and materiality thresholds for reporting activities.

Ergänzt wird dies durch die Empfehlung zweier Could Actions:

  • Migrate towards actionable and information-intense measures for reporting and away from “check-box” approaches.
  • Implement a feedback loop to ensure that, where selected reporting tools are not “best fit” then this can be reported upon.

Fortsetzung folgt im zweiten Teil: Corporate Responsibility & Sustainability und ESG/CSR-Reporting – Teil 2/2: Nichtfinanzielle Berichterstattung wird mit CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz Pflicht


© Copyright by Dr. Elmar Bickert

Über den Autor Dr. Elmar Bickert

Rechtsanwalt in Berlin, spezialisiert auf das Immobilien- und Baurecht aus dem Blickwinkel des gesamten Lebenszyklus von Immobilien, auf das Energierecht, das Umweltrecht und auf Sustainable Real Estate.